Der Bausachverständige 1/2016 | Pia Haun: Schimmelpilzschäden an Eichenholzfenstern | Seite 5
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Fachbeiträge

Schimmelpilzschäden an Eichenholzfenstern

Pia Haun

 

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Skizze 1 | Beim Quellen der Faser öffnet sich die äußere Ecke der Gehrung. Skizze 1 | Beim Quellen der Faser öffnet sich die äußere Ecke der Gehrung.

Das Betreiben der Gasheizung hat dazu geführt, dass die Luftfeuchte weiter angestiegen ist, da bei der Verbrennung des Gases erhebliche Mengen Wasserdampf freigesetzt wurden.

 

Bei der Messung der Ausgleichsfeuchte in der Erdgeschosswand wurde eine relative Luftfeuchte in den beiden abgedichteten Bohrlöchern von annähernd 100 % ermittelt. Lebensbedingungen für mikrobiellen Befall liegen bereits ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 80 % vor. Das Gebäude wies ca. vier Monate nach der ersten Schadensfeststellung eine sehr hohe Neubaufeuchte auf, die durch die nicht schlagregendichte Fassade auf einem hohen Niveau verblieb. Dies verwunderte die Gutachterin nicht, weil eindringende Feuchtigkeit in großer Menge in der Innendämmung der Ziegel gespeichert wird. Anhand der stichprobenartigen Messungen wurde die subjektive Wahrnehmung des Bauherren, dass das Gebäude ausgetrocknet ist, widerlegt.

 

Dass die Fenster nicht infolge minderwertigen Holzes schimmelten und sich Verfärbungen bildeten, sondern auch an anderen Oberflächen Bedingungen für Schimmelpilzwachstum und somit ein Befall vorliegt, konnte anhand der Klebefilmanalyse nachgewiesen werden: Die beprobten OSB-Platten waren zeitgleich mit den Fenstern eingebaut worden. Sie wiesen sehr viel Mycel auf, ein eindeutiges Indiz auf Pilzwachstum. Zudem wurde ein typischer Indikatorpilz für Feuchteschäden, nämlich Stachybotrys chartarum, ermittelt. Diese Schimmelpilzart sowie der Nachweis von Bakterien zeugen von zeitweise sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Gleichzeitig wurde durch die Gutachterin der Verdacht geäußert, dass durch die augenscheinlich nicht luftdichte Ausbildung der Dampfbremse mit einem versteckten Befall in der Dämmebene zu rechnen ist.

Skizze 2 | Beim Quellen der Fasern bildet sich ein Versatz zwischen zwischen senkrechtem und waagerechtem Holz. Skizze 2 | Beim Quellen der Fasern bildet sich ein Versatz zwischen zwischen senkrechtem und waagerechtem Holz.

Die Beprobung der Fensteroberflächen mittels Folienkontaktprobe ergab nur vereinzelt Mycel, aber eine Kontamination durch Sedimentationssporen, die eventuell aus dem Schimmelpilzschaden/OSB-Platten herrühren können. Bei der Materialprobe aus der Beschichtung, die mittels Suspension angezüchtet wurde, war die Gesamtpilzkonzentration niedrig, die Zusammensetzung unauffällig und die Bakterienkonzentration unter der Nachweisgrenze.

 

Mit dem Abschaben der Beschichtung für die Materialprobe wurde gleichzeitig die komplette Verfärbung entfernt. Dies war ein augenscheinlicher Beleg dafür, dass die Verfärbungen nicht infolge Gerbsäurereaktionen entstanden sein können. Damit wurden die Vermutungen des Tischlermeisters widerlegt. Dessen Theorie wurde von Beginn an seitens des Fensterhersteller, des Fensterbauers sowie der Gutachterin angezweifelt, da dies nicht erklären würde, warum nur bestimmte Fenster im Obergeschoss geschädigt sind.

 

 

Dass Metallspäne im Werk zu den Verfärbungen geführt haben könnten, war nicht nachvollziehbar, da dies produktionsbedingt nach Angaben des Fensterherstellers ausgeschlossen ist.

 

Die horizontalen Verfärbungen an den feststehenden Treppenhauselementen waren durch Abrieb von Schutzgummis, die beim Transport verwendet werden, entstanden. Diese Schäden müssen seit dem Einbau bestanden haben, sind bei der Abnahme aber nicht festgestellt und bemängelt worden. Sie werden durch den Fensterbauer ordnungsgemäß beseitigt.

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