Der Bausachverständige 1/2016 | Pia Haun: Schimmelpilzschäden an Eichenholzfenstern | Seite 2
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Fachbeiträge

Schimmelpilzschäden an Eichenholzfenstern

Pia Haun

 

 

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3 | Ergebnisse der vorangegangenen Begutachtungen

Abb. 2 | geöffnete Gehrungsfuge am Treppenhausfenster Abb. 2 | geöffnete Gehrungsfuge am Treppenhausfenster

3.1 | Fensterfachbetrieb und Fensterhersteller

Der Auftraggeber der Gutachterin sowie ein Vertreter des Fensterherstellers hatten anlässlich der anberaumten Ortstermine Materialholzfeuchten von bis zu 25 % ermittelt. Sie kamen zu dem Schluss, dass Verfärbungen durch zu hohe Baufeuchte entstanden sind und konnten hierzu entsprechende Indizien liefern:
 

  • die Verfärbungen endeten jeweils an den Überschlagsdichtungen
  • an den Beschlagteilen hatte sich Weißrost gebildet
  • ein Versatz der senkrechten und waagerechten Flügelhölzer
  • geöffnete Gehrungsecken
  • Stauchungen der Außenecken der Glashalteleisten.

 


 

3.2 | ö.b.u.v. Sachverständiger im Tischlerhandwerk, durch Bauherrn beauftragt

Dieser äußerte drei Vermutungen, welche Ursachen zu den Verfärbungen an den Fenstern geführt haben könnten:
 

  • durch Baufeuchte wurde Gerbsäure gelöst
  • durch eine chemische Reaktion zwischen gelöster Gerbsäure und Partikeln aus Kalk-Zementputz sind Alkaliverfärbungen entstanden
  •  in das Holz eingeschliffene Metallteile haben in Verbindung mit der Gerbsäure zu den Verfärbungen geführt. Er empfahl weitere Untersuchungen, um die tatsächliche Ursache zu ermitteln.

 

3.3 | Gutachten eines zweiten Gutachters, durch den Bauherrn beauftragt

Abb. 3 | nachträglich entstandener Versatz zwischen senkrechtem und waagerechtem Rahmenholz Abb. 3 | nachträglich entstandener Versatz zwischen senkrechtem und waagerechtem Rahmenholz

Dem Gutachter lag die Stellungnahme des Fensterbauers sowie des Fensterherstellers vor. Er verwendete die vorliegenden Messergebnisse, nämlich die Material- Holzfeuchte des Fensterherstellers als Anknüpfungstatsache und ergänzte die Untersuchungen vor Ort mit kapazitiven Messungen. Die Raumfeuchte wurde an einem durch den Bauleiter zur Verfügung gestellten, nicht kalibrierten Raumklimamessgerät, abgelesen. Ergänzend wurde die Materialfeuchte der OSBPlatten, mit denen die Unterseite der Dachschrägen im Obergeschoss verkleidet sind, kapazitiv gemessen. Der Gutachter stellte fest, dass sich Verfärbungen mit dem Fingernagel nicht entfernen lassen und somit hinter der Beschichtung liegen, was als eindeutiges Indiz für eine minderwertig Holzqualität und eine beim Einbau zu hohe Holzfeuchte bewertet wurde. Diese Schlussfolgerung wurde untermauert, indem gutachterlich festgestellt wurde, dass keine Hinweise auf zu hohe Baufeuchte, wie korrodierte Schrauben etc., im Gebäude vorlagen.
 

 

4 | Beschreibung der Fenster und Angaben des Fensterherstellers

Abb. 5 |  horizontal verlaufende Verfärbungen an den Treppenhausfenstern Abb. 5 | horizontal verlaufende Verfärbungen an den Treppenhausfenstern

Die dreifach verglasten Fenster sind aus Eichenkernholz gefertigt und an der Außenseite mit pulverbeschichteten Aluminiumprofilen verkleidet. Die dreifach verglasten Holz-Alu-Fenster sind CE-gekennzeichnet. Die Produktion des Fensterherstellers wird nicht nur eigen-, sondern auch fremdüberwacht, im vorliegenden Fall durch das ift Rosenheim. Entsprechende Unterlagen liegen im Werk vor. Die fertig verleimten Flügelrahmen werden im Werk umfälzt, um die äußere Kontur anzufahren. Grundsätzlich werden im Bereich der Holzbearbeitung keine stumpfen Werkzeuge geschärft, sondern abgenutzte Fräsköpfe werden vollständig ersetzt. Hierdurch wird vermieden, dass es zu einer Metallstaubverschmutzung auf bearbeitetem Holz kommt. Bereits im Werk werden die Fenster imprägniert, sowie eine Zwischen- und Endbeschichtung aufgebracht. Dabei darf die maximale Holzfeuchte 15 % nicht übersteigen. Im Erdgeschoss haben die eingebauten Fenster völlig verdeckt liegende, nicht sichtbare Beschläge, wodurch Wärmebrücken am Ecklager minimiert werden. Im Obergeschoss sind die Fensterdichtungen durch die sichtbaren Ecklager konstruktionsbedingt energetisch geschwächt. Lediglich die drei im Treppenhaus eingebauten Elemente haben eine Festverglasung. Im Falz des unteren Querflügel der übrigen Fenster sind deutlich sichtbar Aufkleber angebracht, die den Kunden darauf hinweisen, dass durch unzureichendes oder falsches Lüften Schäden infolge zu hoher Baufeuchte auftreten können.

 

 

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