Pia Haun: Prävention von Schimmelschäden: Feuchtemanagement in der Bauphase – Teil 1
Pia Haun: Prävention von Schimmelschäden: Feuchtemanagement in der Bauphase – Teil 1

Fachbeiträge

Prävention von Schimmelschäden
Pia Haun


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Feuchtemanagement in der Bauphase – Teil 1

Zudem sollte bereits ein Notfall-Konzept, abgestimmt auf die Baumaßnahme, bereit liegen – für den Fall der Fälle.
Fazit: Besser gut planen als in der Ausführungsphase massiv improvisieren!

Sobald mit dem Bau begonnen wird, ist darauf zu achten, dass das Material ordnungsgemäß und witterungsgeschützt zur Baustelle transportiert wird.
Der ausführende Betrieb bzw. der Besteller sollte bei der Anlieferung überprüfen (visuell und messtechnisch), ob das Material

  • zu hohe Materialfeuchten
  • augenscheinlich einen mikrobiellen Befall

aufweist.

Ungeeignetes Materiallager Ungeeignetes Materiallager

Ausgleichfeuchtemessungen oder elektrische Widerstandsmessungen bei Holz sind geeignete Messverfahren zur Überprüfung der Materialfeuchte. Liegt mangelhafte Ware vor, ist die Annahme zu verweigern.
 

Unbeanstandetes Material ist ordnungsgemäß und witterungsgeschützt auf der Baustelle zu lagern. Dabei sind u. a. technische Merkblätter der Produkthersteller, Produktinformationen zu beachten. Dämm- oder Gipskartonplatten etc., die in muffigen Kellern oder frei bewittert gelagert werden, weisen schon vor dem Einbau einen Befall auf. Deren weitere Verwendung sollte seitens des Verantwortlichen (Polier, Bauleiter, etc.) untersagt und die Entfernung von der Baustelle
angeordnet werden. Bei Unstimmigkeiten ist das Material entsprechend beproben zu lassen.

Rel. Luftfeuchte > 70%, es liegen Bedingungen für mikrobielles Wachstum vor. Rel. Luftfeuchte > 70%, es liegen Bedingungen für mikrobielles Wachstum vor.

Gerade im Montagebau, wo häufig technisch getrocknetes Holz oder Holzwerkstoffe zum Einsatz kommen, bleibt der Witterungsschutz häufig außen vor – ganz nach dem Motto: Es wird schon nichts passieren. Und wenn doch?
Auch hier liefern technische Merkblätter der Hersteller, Regelwerke von Verbänden, aber auch Normen wichtige Hinweise bezüglich maximaler Materialfeuchte und Lagerbedingungen.

Bezüglich der Errichtung und Befestigung eines Witterungsschutzes, beispielsweise durch beplante Gerüste, sind entsprechende statische Nachweise zu erbringen – und zwar in der Planungsphase. Soll der Witterungsschutz am Gebäude oder Bauteilen befestigt werden, muss eine schriftliche Aussage vorliegen, ab welchem Bauzustand die Konstruktion die zusätzlich auftretenden
Kräfte schadensfrei aufnehmen und ableiten kann. Entsprechende Angaben sollten
u. a. die Montageanweisungen beinhalten.

Laut Verbraucherzentrale muss beim Bauen mit ca. 90 l Wasser pro m² Grundfläche gerechnet werden, das hauptsächlich durch Zugabewasser im Beton, Mörtel, Estrich und Verputz ins Gebäude gelangt. Sobald der Rohbau erst einmal fertiggestellt ist und die Fenster eingebaut sind, wird das natürliche Abtrocknen des chemisch nicht gebundenen Wassers stark reduziert, sodass die relative Luftfeuchte im Gebäude erheblich ansteigen kann. Um einen Schimmelbefall
zu unterbinden, sollte deshalb ab diesem Zeitpunkt das Raumklima zumindest stichprobenartig durch den fachkundigen Bauherrn oder Bauleiter überprüft werden, um entsprechenden Handlungsbedarf zu erkennen.

Vorzugsweise sollte in Phasen hoher Luftfeuchte im Gebäude eine permanente Messung erfolgen, beispielsweise über Datenlogger, die auch eine Fernabfrage ermöglichen und Messwerte aufzeichnen.

Da große Mengen an Feuchtigkeit infolge von Konvektionsvorgängen in die Konstruktion eindringen und deren Dämmeigenschaften hierdurch stark herabgesetzt werden können, ist penibel auf den korrekten Einbau der Luftdichtheitsebene zu achten. Dabei sollten Planer, Bauleiter und Ausführende die technischen Merkblätter der Hersteller beachten.

Auch wenn die Luftdichtheitsebene fachgerecht ausgeführt wurde, sollte sie nach der Abnahme durch den Bauleiter regelmäßig kontrolliert werden, da sie häufig durch nachfolgende Gewerke aus Unachtsamkeit oder mangelndem Fachwissen zerstört wird. Hier sollten insbesondere Elektro-, Lüftungs- und Sanitär-installateure ihre Kompetenzen in Sachen „Bauphysik“ entsprechend erweitern.

Fazit: Kontrolle des Materials, des Raumklimas und der Konstruktion sind wichtige Stellschrauben bei der Vermeidung mikrobiellen Befalls.

Nachfolgende Gewerke, hier: Die Elektriker, haben die Dampfbremse massiv beschädigt. Nachfolgende Gewerke, hier: Die Elektriker, haben die Dampfbremse massiv beschädigt.
Winterbaustelle, durch die fehlende Dachluke sind große Mengen an Neubaufeuchte in den Dachraum geströmt, Kondensatbildung. Winterbaustelle, durch die fehlende Dachluke sind große Mengen an Neubaufeuchte in den Dachraum geströmt, Kondensatbildung.

Problemfall Winterbaustelle


Problematisch ist stets, wenn die relative Luftfeuchte mehrere Tage über 70% liegt. Schadensbegünstigend sind ruhende Bauarbeiten, in denen sich ein Befall still und leise ausbreiten kann. Dies ist immer wieder ein massives Problem bei Winterbaustellen: Nachdem Verputz und Estrich eingebracht sind und das Aufheizprogramm der Fußbodenheizung startet, werden erhebliche Mengen Wasser freigesetzt. Wären da nicht die fehlende Dachbodentreppe, ungedämmte Bauteile
und die böse Bauphysik.

Die in der Bauphase freigesetzte feuchtwarme Luft steigt infolge thermischer Bewegung auf – meist bis in den ungedämmten Dachraum. An den kühlen Oberflächen steigt die relative Luftfeuchte massiv an. Die vorliegende Konstruktion kann diese Feuchtigkeitsmengen nicht abführen, was zu einem innen „beregneten“ Dachraum führt.

Im ungünstigen Fall ruhen die Bauarbeiten von der Weihnachtswoche bis einschließlich der ersten Januarwoche. Stellt der Bauherr augenscheinlich Feuchteschäden fest, sind seine Ansprechpartner häufig wegen Betriebsferien nicht erreichbar und kostbare Zeit verstreicht, in der Schimmelpilz und Co. Baustoffe und Bauteile besetzen und besiedeln.

Fazit: Bei Winterbaustellen ist der Zugang in den ungedämmten Dachraum beizeiten luft- und dampfdicht (!) zu verschließen.

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